Wasseramsel-Spaziergang am 11. April

Rund 30 interessierte Teilnehmer trafen sich um 10:00 Uhr am Eingang des Tobels. Zu Beginn schilderte unser engagiertes Mitglied Barbara Schmid die Entstehung des Tobels und gab spannende Einblicke in dieses besondere Habitat der Wasseramsel. Danach übernahm Irmi Zwahlen, Wasseramsel-Spezialistin der Vogelwarte Sempach, das Wort und führte uns durch den Morgen. 

Die Population im Tobel wird bereits seit Jahrzehnten genauestens dokumentiert. Dieses ursprünglich von Dr. Hegelbach gestartete Projekt führt Frau Zwahlen gemeinsam mit Feldassistentinnen für die Vogelwarte Sempach weiter. Für die Erforschung der Populationsentwicklung im Kanton Zürich sind die Beringung sowie die Entnahme von DNA-Proben entscheidende Faktoren. 

Bereits am Treffpunkt konnten wir die ersten Wasseramseln beobachten. Dank der farblichen Kodierung der Beringung konnte Frau Zwahlen die Vögel sofort genau identifizieren. Sie nutzte diese erste Begegnung sogleich, um uns grundlegende Fakten zu erläutern: Wasseramseln sind mit den herkömmlichen Amseln nicht näher verwandt, sondern bilden eine eigene Familie, die weltweit nur fünf Arten umfasst. Als einzige Singvögel können sie nicht nur hervorragend schwimmen, sondern auch tauchen. Hierfür haben sie spezielle Anpassungen entwickelt, wie eine Nickhaut zum Schutz der Augen und eine Hautfalte, die das Ohr unter Wasser abdeckt. 

Derzeit sind im Küsnachter Tobel 7 bis 8 Brutpaare heimisch. Dies stellt einen Rückgang gegenüber früheren Zählungen dar, die bis zu 16 Paare verzeichneten; ein Grund für die geringere Zahl an Jungvögeln könnte Dichtestress sein. Die Tiere verteidigen ihre Reviere sehr engagiert, wobei sowohl Männchen als auch Weibchen ein ausgeprägtes Territorialverhalten zeigen.

Die Vögel erreichen die Geschlechtsreife nach einem Jahr. Sie bauen ein Kugelnest mit einem seitlichen Eingang in Nischen hinter Wasserfällen oder unter Brücken (oder in Nistkästen). Das Weibchen legt im Rhythmus von einem Ei pro Tag insgesamt 5 bis 6 Eier, die 17 Tage lang bebrütet werden. Während dieser Zeit macht das Weibchen kurze, etwa zehnminütige Brutpausen, in denen es vom Männchen abgeholt und später wieder zum Nest zurückgebracht wird. Bemerkenswert ist, dass sich der Brutzeitpunkt seit dem Jahr 1887 um 8,4 Tage nach vorne verschoben hat. Dies gilt als evolutionäre Anpassung an gestiegene Wassertemperaturen und das frühere Maximum des Larvenvorkommens. Mit der Mauser im Juni endet die Brutsaison für das laufende Jahr. 

Die Nahrung der Wasseramsel ist ausschliesslich tierischer Natur. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Köcherfliegenlarven, aber auch Asseln und Wasserfliegen. Bei der Jagd drehen die Vögel unter Wasser aktiv Steine um. Trübes Wasser stellt dabei ein grosses Hindernis dar, da es die Sicht bei der Nahrungssuche erheblich einschränkt. 

Neben natürlichen Feinden wie dem Sperber drohen Gefahren durch Katzen und den Strassenverkehr. Für Jungvögel ist zudem ein plötzlicher Wasseranstieg lebensbedrohlich. Das maximale nachgewiesene Alter einer Wasseramsel im Tobel beträgt 8 Jahre. 

Um diese Erkenntnisse zu gewinnen, werden die Tiere für wissenschaftliche Auswertungen mit Netzen gefangen. Das optimale Alter für die Beringung der Jungvögel liegt zwischen 10 und 12 Tagen. Zur individuellen Identifikation aus der Ferne erhalten sie neben einem nummerierten Aluminiumring eine Kombination aus markanten Farbringen.

Zum Abschluss der Exkursion konnte uns Frau Zwahlen sogar einige Niststandorte direkt unter den Wasserschwellen zeigen.

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